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Es war Donnerstag, der 11. Dezember 2008 um 7 Uhr in der Früh. Der Himmel war wolkenverhangen, es war nasskalt und die Kälte kroch an mir hoch, als ich mit “Bora“
im Garten meine Runden drehte und sie ermutigte Pipi zu machen. Sie schaute mich mit einem herzzerreißenden Blick an und mir war klar, dass ich sie heute nicht alleine lassen durfte. Ich rief meine Kollegin an und bat sie für mich zu arbeiten. Dabei kullerten mir unaufhörlich die Tränen übers Gesicht, denn in meinem Inneren spürte ich, dass heute der Tag war, der Tag, der alles verändern sollte.

Später lag Bora im Wohnzimmer auf ihrem Sofa und starrte vor sich hin, die Augen fokussierten mich nicht und folgten keiner Bewegung. Am vorherigen Tag hatte sie eine Transfusion bekommen. – Die letzte Nacht war schlimm.- Sie atmete schwer, wanderte  durchs Haus und schaute mich immer wieder hilfesuchend an. Meine Beagle-Hündin war an einem Punkt, an dem die schlechten die guten Tage überwogen. Ich durfte nicht mehr an mich, sondern musste an sie denken.

Und ich war bereit- zumindest so bereit, wie man sein konnte, wenn man das Liebste, was man hat, gehen lassen musste. Mein Gefühl hatte schon länger als mein Verstand gewusst, dass ich mich vorbereiten musste. Lange habe ich es nicht wahrhaben wollen, mein Hund war doch erst dreizehn. Manche Hunde werden sechzehn oder siebzehn Jahre alt, wie der Hund einer Bekannten.

Als es Bora, sie litt seit Jahren an Arthrose, die Knochen taten ihr weh, in den letzten Tagen deutlich schlechter ging, hatte ich mich mit dem Tod  beschäftigt. Der Bluttest ergab, dass ihre Nieren angefangen hatten zu versagen. Die Werte waren  dreifach erhöht, sie hatte alle Anzeichen einer Niereninsuffizienz. Zudem trank sie Unmengen von Wasser, und ihr Urin war sehr hell; das bedeutete, das ihr Körper keine Giftstoffe mehr ausschied. In letzter Zeit kamen Gleichgewichtsprobleme dazu. Mein Verstand wusste, dass es Zeit war, sie gehen zu lassen. Aber die Realität war eine andere. Immer, wenn sie schlief und ruhig atmete hoffte ich, dass die Unruhe nur ein momentaner Zustand war und sie sich wieder erholte. Und ich hoffte, dass sie in tiefem Schlaf hinüber gleitet in die andere Welt hinter dem Regenbogen. Aber so war es nicht. So wie ich vor fast vierzehn Jahren die Verantwortung für sie übernommen hatte, so forderte jetzt das Schicksal von mir: sie loszulassen und ihr auf dem Weg ins Paradies zu helfen.

Am Nachmittag rief ich beim Tierarzt an.

> “Es ist soweit“, sagte ich zu ihm. <

Uns blieben noch ein paar Stunden. -  Ich setzte mich zu meinem Hund. Sie lag ruhig neben mir. Wir wussten beide, dass es kein Zurück gab. Ich fühlte mich leer und hilflos, die Gedanken kreisten, dreizehn wunderbare Jahre hatte sie mich begleitet. Ich sagte ihr, dass es in Ordnung sei zu sterben und dass ich sie schrecklich vermissen würde. Während ich ihre Schnauze, ihren Kopf, ihre Pfoten küsste, erzählte ich ihr, dass sie gleich auf eine große Reise ginge in ein Land, in dem es wunderschön sein werde, wo immer Wasser zum Schwimmen sei, immer genug zu fressen und viele ihrer alten Freunde bereits auf sie warteten. Ich schwor ihr, das sie keine Angst haben musste, und ich versprach ihr, dass auch ich eines Tages dorthin komme, zu ihr komme, und dass uns dann nichts mehr trennen kann. Ich  versicherte ihr, wie sehr ich sie liebte und bat sie um Verzeihung, dass ich ihr das jetzt antun musste. Wir schauten uns in die Augen und hielten stumme Zwiesprache. Jetzt, da die Entscheidung gefallen war, wurde ich ruhig. Ich hielt sie im Arm bis es an der Tür klingelte und der Tierarzt kam.

Während ich ihren Kopf in meinem Schoß hielt, sprach ich noch ein Gebet. Ich dankte ihr für alles, was sie mir geschenkt hatte. Ich dankte Gott, > dankte für diesen Hund, den er mir geliehen hatte, damit sie bedingungslose Liebe und Glück in mein Leben bringen konnte. Sie hatte ihre Aufgabe wahrlich erfüllt. <

Der Tierarzt zog die Narkosespritze auf und spritzte ihr das Narkosemittel in die Vene des Hinterbeines. Als sie den Stich spürte, versuchte Bora kurz, nach hinten zu schnappen. Die Spritze tat ihr weh. Ihre Muskeln verkrampften und lösten sich wieder. Sie entspannte sich und sank tiefer in meinen Schoß. Ich hielt ihren Kopf und sah in ihre Augen, die unter Einwirkung des Mittels zurückgewichen waren. Noch atmete sie, aber sie lag schon in tiefem Schlaf.

Meine letzte Botschaft an Bora war: >Geh ins Licht. Gute Reise. Ich liebe dich. <

Dann setzte der Tierarzt die tödliche Injektion. Ich sah keinen Unterschied zur Narkose, außer dass Boras Pupillen milchig wurden. Sie atmete nicht mehr. Mein Hund war tot.

In dieser Nacht, in der ich mehr oder weniger neben ihr auf der Couch im Wohnzimmer schlief, besuchte mich Bora. Ich konnte sie intensiv riechen, und hörte, wie sie sich schüttelte, so wie sie es immer getan hatte, wenn sie nach tiefem Schlaf aufstand. Sie war bei mir und wird es immer bleiben und nichts kann uns trennen, weil uns so viel verbindet.            


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